Themenfelder
Ästhetische und mediale Dimensionen von Kommunikation
Als ein Sondersystem der Kommunikation bilden ästhetische auch nicht-sprachliche Ausdrucksformen einen zentralen Teil in den Prozessen kultureller Identitätsstiftung. In ihrer Erforschung werden kulturelle Dynamiken greifbar, die von diesen Kommunikationsformen reflektiert, gefördert oder auch in Frage gestellt und damit oft modifiziert werden. Um diese Modifikationen beschreiben und in die Diskussionen um diese Dynamiken einbringen zu können, werden in der Fakultät kulturwissenschaftliche und etablierte philologische Methoden aufeinander bezogen und weiterentwickelt. Damit trägt die Fakultät zur methodischen Entwicklung einer philologischen Kulturwissenschaft bei, die auf die aktuellen politischen, sozialen und bio-ökologischen Herausforderungen zu reagieren vermag und arbeitet damit an einer Erweiterung des Kanons literatur- und kulturwissenschaftlicher Ansätze. Deutlich wird das an der Partizipation an sich neu entwickelnden Forschungsparadigmen, wie dem Ecocriticism, den Environmental und Medical/Health Humanities sowie den Cultural Sustainability Studies.
Systemische und funktionale Dimensionen von Kommunikation
Die Grundfragen nach Form, Struktur, Funktion und Vermittlung von Sprachen bilden den Kern aller sprachwissenschaftlichen Disziplinen der Fakultät, die sowohl chronologisch wie regional das Spektrum der Sprachen der Welt abdecken: von den großen Schulsprachen, die – gerade in der Lehrer*innenbildung eng vernetzt mit kulturwissenschaftlichen Perspektiven – erforscht und gelehrt werden, bis hin zu kleineren Sprachen, die oft – und gerade auch in mehrsprachigen Kontexten – Sprachen von Minderheiten sind und waren. In vielfältigen Forschungsprojekten nimmt die Fakultät dabei sowohl europäische als auch außereuropäische Sprachwirklichkeiten in den Blick. Auch Grundlagenforschung zu den systemischen Eigenschaften von Sprache wird an der Fakultät betrieben.
Digitalität
Alle wissenschaftlichen Disziplinen sind von einer Bereicherung, aber auch Herausforderung durch digitale Techniken und Methoden betroffen. Forschungsstrategisch geht es der Fakultät in diesem Querschnittsthemenfeld darum, Formen des Digitalen auch als Gegenstand kulturwissenschaftlicher Forschung und Lehrer*innenbildung zu etablieren. Es wird also eine Metaperspektive eingenommen, die digitale Daten nicht als einfache Alternative zu analogen versteht, sondern deren eigenständige kulturellen Logiken sichtbar macht, wozu auch die Folgen der Implementierung künstlicher Intelligenz gehören. Zentrale Frage ist dabei jene nach den Auswirkungen digitaler Medien auf kulturelle Prozesse in doppelter Perspektive: als Frage nach der Spezifik einer (post)digitalen Kultur und der Spezifik einer (post)digitalen Kulturwissenschaft. Die Fakultät kooperiert eng mit dem ACDH-CH der ÖAW.
Europäische und globale Kulturen und Identitäten
Kulturen und Identitäten sind dabei nicht in einem ontologischen Sinne, etwa als vorgegebene Seinsformen, gemeint, sondern als kulturelle Konstruktionsleistungen. Sie werden auf individueller wie auch kollektiver Ebene untersucht, in ganz konkreten Manifestationen wie z. B. in Form von gesellschaftlichen Rollen, aber auch bezogen auf Kategorien wie Nationalität, Ethnizität oder Religion. Der Fokus liegt aber nicht nur auf den Effekten dieser Konstruktionsleistungen, sondern auch auf den Medien, die daran mitwirken. Darunter spielen Sprache und ästhetische Kommunikation eine zentrale Rolle. Beobachtet werden so z. B. die Folgen von Kolonialismus, Ausbeutung und Unterdrückung (Benachteiligungen aufgrund kulturalistisch konstruierter Differenzkategorien), die Transformation politischer Systeme und besonders auch globale Herausforderungen, wie sie derzeit anhand von Fragen nach Klima, globaler Gerechtigkeit, Demokratie und Bildung diskutiert werden.